Wadenkrämpfe: Ursachen

Wadenkrämpfe: Ursachen Sporteln zu zweit macht Spaß, kann aber die Muskulatur des schwächeren Partners überlasten.

Häufig treten Wadenkrämpfe nach körperlicher Belastung auf. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen kommt es aber ohne vorherige Beanspruchung zu Muskelkrämpfen – mit dem Alter nimmt die Zahl solcher Krämpfe zu.1 Etwa ein Viertel aller Wadenkrämpfe tritt sogar ganz ohne erkennbare Ursache auf.2 Dennoch sind einige mögliche Ursachen und auslösende Faktoren für Wadenkrämpfe bekannt. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Ursachen für Wadenkrämpfe

Grundsätzlich gibt es unterschiedlichste Faktoren, die die Entwicklung eines Wadenkrampfes begünstigen können. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Körperliche Überlastung (z. B. fordernde Sporteinheiten oder körperliche Schwerarbeit unter Hitzebelastung): Schwitzen und Salzverlust können dann dazu führen, dass der Elektrolythaushalt durcheinander gerät – also das Gleichgewicht zwischen Mineralstoffen wie Kalzium, Kalium, Natrium und Magnesium.
  • Flüssigkeitsmangel: Wer zu wenig trinkt, bekommt schneller Wadenkrämpfe. Denn es kann dann zu Verschiebungen im Elektrolythaushalt kommen.
  • Magnesiummangel: Magnesium spielt eine wichtige Rolle für die Muskelfunktion und äußert sich daher häufig in Form von Wadenkrämpfen. Aber auch Muskelzucken oder -zittern können vorkommen.
  • Alkohol: Übermäßiger Alkoholkonsum hemmt die Aufnahme wichtiger Nährstoffe (z. B. Zink, B-Vitamine, Magnesium) und sorgt zusätzlich dafür, dass wir vermehrt Flüssigkeit ausscheiden. So gehen zusätzlich Nährstoffe verloren. Auch anderen Genussmitteln wie Kaffee und Zigaretten wird bei übermäßigem Konsum eine ähnliche Wirkung nachgesagt.
  • Stress: Wenn wir unter Strom stehen, verbraucht unser Körper unter anderem mehr B-Vitamine, mehr Zink – und auch mehr Magnesium. Daher nehmen bei Dauerstress nicht nur Muskelverspannungen zu, sondern auch Wadenkrämpfe.
  • Schwangerschaft: In der Schwangerschaft braucht der Körper mehr Nährstoffe – darunter auch Magnesium. Ein Mangel des Muskelminerals kann unter anderem zu Krämpfen führen. Zusätzlich können die veränderte Hormonlage, das etwas andere Muskelspiel und Faktoren wie eingeklemmte Nerven die Entstehung von Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft begünstigen.
  • Hormonelle Veränderungen: Auch während der Menstruation oder im Wochenbett kann es aufgrund der veränderten Hormonlage zu Krämpfen kommen.
  • Bein- und Fußfehlstellungen: Bei Verformungen oder Fehlstellungen (z. B. Senk-Spreiz-Knickfuß) der Füße und Beine kommt es aufgrund der Fehlbelastung häufiger zu Wadenkrämpfen. Auch andere orthopädische Probleme (z. B. Osteoporose, Ischialgie) können Muskelkrämpfe verursachen.
Gut zu wissen: Menschen, die sich wenig bewegen, bekommen besonders leicht Muskelkrämpfe. Warum genau das so ist, ist nicht abschließend geklärt. Fakt ist aber: Muskeln, die nicht an Bewegung gewöhnt sind, verkürzen sich und sind schneller überlastet. Das kann Krämpfe begünstigen.

Wadenkrämpfe: Risikofaktoren

Bestimmte Faktoren und Lebensgewohnheiten können die Entstehung von Krämpfen begünstigen. Lesen Sie hier Wichtiges im Überblick:

  • Einseitige Ernährung

    Einseitige Ernährung

    Um gesund und belastbar zu bleiben, braucht unser Körper Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Decken wir auf Dauer den Bedarf an einem dieser wichtigen Stoffe nicht, kann sich ein Mangel entwickeln. Anfangs bleibt dieser vielleicht unbemerkt, doch irgendwann kommt es meist auch zu bestimmten Mangelsymptomen. Führen wir zum Beispiel über einen längeren Zeitraum hinweg zu geringe Mengen des Muskelminerals Magnesium zu, kann sich das in Form von Muskel- und Wadenkrämpfen äußern.

    Achten Sie daher auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung. So nehmen Sie alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe auf. Viel Magnesium steckt beispielsweise in Vollkornprodukten, Nüssen, grünem Gemüse und Hülsenfrüchten. Worauf Sie verzichten sollten: Hungerkuren sowie zu viel Fast Food.

    Gut zu wissen: Bei Stress steigt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen an – dazu zählt auch das Muskelmineral Magnesium. Daher kann es gerade bei Dauerstress verstärkt zu Muskelverspannungen und Wadenkrämpfen kommen.
  • Höheres Lebensalter

    Höheres Lebensalter

    Ältere Menschen bekommen häufiger Wadenkrämpfe – insbesondere nachts und in Ruhe. Jeder Zweite bis Dritte der über 65-Jährigen leidet mindestens einmal pro Woche an Krämpfen. Auch wenn die genauen Ursachen unbekannt sind, weiß man heute: Bei Älteren ändert sich das Muskelspiel, die Muskeln sind eher verkürzt. Zudem kommt es bei Senioren häufiger zu einem Nährstoffmangel – denn zum einen führen Veränderungen im Verdauungstrakt oft dazu, dass wichtige Nährstoffe nicht so gut aufgenommen werden. Zum anderen können Kauprobleme und ein verringerter Appetit zur Folge haben, dass Ältere sich häufiger einseitig ernähren und so weniger Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen. Unter anderem zählen auch die Muskelmineralien Kalzium und Magnesium zu den kritischen Nährstoffen, die älteren Menschen oftmals fehlen. Und gerade ein Magnesiummangel zählt zu den wichtigen Ursachen für Wadenkrämpfe.

    Gut zu wissen: Bei der Einnahme mancher Medikamente (z. B. bestimmter Cholesterin- und Blutdrucksenker) können Wadenkrämpfe als Nebenwirkung auftreten. Ältere Menschen sind häufiger betroffen, da sie oft mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen müssen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, falls Sie dies als Ursache Ihrer Krämpfe vermuten – setzen Sie ärztlich verordnete Medikamente aber nie selbstständig ab!
  • Starke körperliche Belastung

    Starke körperliche Belastung

    Egal, ob Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben einen Marathon laufen, ob Sie körperlich schwer arbeiten oder ob Sie nach einer längeren Pause im Freizeitsport zu schnell wieder zu viel wollen: Wenn wir den Muskel überanstrengen, kommt es schnell mal zu einem Krampf. Denn wenn ein Muskel ermüdet, kommt es zu einer Fehlreaktion des Nervensystems. Die Signalübertragung, die zu einer Entspannung des Muskels führt, funktioniert nicht mehr richtig – diejenige, die für die Anspannung verantwortlich ist, reagiert über. Bei bestimmten Sportarten kommt es noch schneller zu Krämpfen: Beim Schwimmen zum Beispiel zieht sich der Muskel oftmals aufgrund des Kältereizes schmerzhaft zusammen. Bei Sportarten, bei denen man sehr stark schwitzt und die eine hohe Ausdauer erfordern (z. B. Marathon, Triathlon), ist die Gefahr, den Muskel zu überfordern, zudem besonders hoch – wer dann noch zusätzlich zu wenig trinkt, wirbelt seinen Elektrolythaushalt durcheinander. So kann es unter anderem zu einem Magnesiummangel kommen, der Krämpfe zusätzlich begünstigen kann.

    Tipp: Gegen solche Krämpfe hilft eigentlich nur eines: Überfordern Sie sich nicht. Bereiten Sie sich lange genug auf neue sportliche Herausforderungen vor und tasten Sie sich langsam heran. Achten Sie zudem darauf, stets ausreichend zu trinken.

  • Bewegungsmangel

    Bewegungsmangel

    "Nanu", denken Sie jetzt vielleicht, "eben hieß es doch noch, Überlastung ist meist schuld an Krämpfen?" Das ist richtig. Fakt ist aber: Wer sich wenig bewegt, riskiert eher einen Wadenkrampf. Die Gründe: Die Muskeln sind schon bei leichter Beanspruchung schnell überlastet. Zusätzlich sind bei Menschen, die im Alltag viel sitzen, die Muskeln häufig verkürzt. Das bedeutet: Der Muskel lässt sich nicht mehr voll dehnen und ist quasi ständig leicht zusammengezogen. Das kann Krämpfe begünstigen. Aus diesem Grund zählt regelmäßige, moderate Bewegung zu den besten Tipps, um Wadenkrämpfen vorzubeugen. Nur übertreiben sollte man es eben nicht.

  • Schwangerschaft

    Schwangerschaft

    Wadenkrämpfe gehören zu den unangenehmen Seiten einer Schwangerschaft. Sie treten vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel auf. Ein wichtiger Grund ist, dass Schwangere einen erhöhten Bedarf an Magnesium haben. Denn das Muskelmineral ist verantwortlich für das Wachstum des ungeborenen Babys. Bei einem Magnesiummangel kann es außerdem zu vorzeitigen Wehen und Fehlgeburten kommen. Wadenkrämpfe können ein erstes Anzeichen für einen Magnesiummangel sein und sollten daher ernstgenommen werden. Aber auch schwangerschaftsbedingte Probleme wie Durchblutungsstörungen oder ein eingeklemmter Nerv können Wadenkrämpfe auslösen.

    Wichtig: Schwangere sollten Krämpfe am besten grundsätzlich ärztlich abklären lassen. Denn unter Umständen kann beispielsweise eine Thrombose mit einem Krampf verwechselt werden.
  • Zu viel Alkohol

    Zu viel Alkohol

    Vielleicht ist Ihnen das ja sogar schon mal passiert: Man ist auf einer Feier, trinkt zu viel Alkohol und noch dazu kaum alkoholfreie Getränke. Dann kann es vorkommen, dass man nachts unsanft von einem Wadenkrampf aus dem Schlaf gerissen wird. Das Problem: Alkohol entzieht dem Körper Wasser, hemmt die Aufnahme bestimmter Nährstoffe und sorgt zusätzlich noch dafür, dass wir die gleichen Nährstoffe in höherer Menge ausscheiden – dazu zählt auch das Muskelmineral Magnesium. Auf diese Weise kann ein Magnesiummangel entstehen, der wiederum Wadenkrämpfe verursachen kann. Aus diesem Grund ist Alkohol ein wichtiger Risikofaktor für Krämpfe.

  • Bestimmte Medikamente

    Bestimmte Medikamente

    Wadenkrämpfe können auch als Nebenwirkung einiger Arzneimittel auftreten. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Cholesterin- und Blutdrucksenker, Entwässerungstabletten, Asthmasprays, Chemotherapeutika und Insulin. Werfen Sie daher bei Krämpfen ungeklärter Ursache ruhig mal einen Blick in die Packungsbeilage Ihrer Medikamente.

    Wichtig: Setzen Sie ärztlich verordnete Arzneimittel niemals selbstständig ab, auch wenn Sie diese als Ursache Ihrer Krämpfe vermuten. Sprechen Sie stattdessen Ihren Arzt darauf an und fragen Sie ihn um Rat. Möglicherweise kann er Ihnen ein anderes Medikament verschreiben.

Erkrankungen als Ursachen für Wadenkrämpfe

In seltenen Fällen können auch bestimmte Erkrankungen die Ursache für Muskelkrämpfe sein. Ein Warnzeichen sind zum Beispiel Krämpfe, die häufiger als dreimal pro Woche oder mit ungewohnter Stärke ganz unabhängig von körperlicher Belastung auftreten. Mit solchen Wadenkrämpfen sollten Sie auf jeden Fall Ihren Arzt aufsuchen und von ihm die Ursache abklären lassen – denn meist lassen mit der Behandlung der Grunderkrankung auch die Krämpfe nach.

Erkrankungen, die mit Krämpfen einhergehen können, sind zum Beispiel:

  • Durchblutungsstörungen wie die Arterielle Verschlusskrankheit (sog. Schaufensterkrankheit), Krampfadern, Thrombose und andere Venenprobleme
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion
  • Infektionskrankheiten wie Grippe, Malaria und Masern
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Nieren- und Lebererkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Leberzirrhose
  • Verschiedene Muskel- und Nervenerkrankungen wie Myotonien, Polyneuropathien, Muskelatrophien, Parkinson
Gut zu wissen: Wadenkrämpfe können auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten – darunter zum Beispiel Entwässerungstabletten (Diuretika), hormonelle Verhütungsmittel, bestimmte Blutdruck- und Cholesterinsenker, Mittel gegen Asthma sowie Chemotherapeutika und Insulin.

Abgrenzung: krampfähnliche Beschwerden

Manchmal können Erkrankungen mit Muskelkontraktionen und/oder Schmerzen einhergehen, die jedoch von Muskelkrämpfen abgegrenzt werden müssen. Solche Erkrankungen sind beispielsweise:

  • Fokale Dystonie – eine Bewegungsstörung, die im Gehirn verursacht wird. Dabei kommt es zu unwillkürlichen Muskelanspannungen, die oft auch ungewöhnliche Körperhaltungen und unkontrollierbare Bewegungen zur Folge haben.
  • Spastik (medizinisch auch Spasmus) – eine krankhafte Erhöhung der Muskelanspannung, des sogenannten Muskeltonus, die ihren Ursprung im zentralen Nervensystem hat. Dabei verhärtet und versteift sich die Muskulatur dauerhaft (sog. spastische Lähmungen).
  • Myotonien – Muskelerkrankungen, deren Hauptsymptom eine Muskelsteifigkeit ist. Diese tritt vor allem nach plötzlichen Bewegungen oder bei Erschrecken auf. Bei diesen Erkrankungen können die Muskeln auffallend dick sein. Das gilt insbesondere für die Waden-, Oberschenkel- und Gesäßmuskeln.
  • Stiff-Person-Syndrom – eine seltene Nervenerkrankung, bei der sich die Muskelanspannung allmählich erhöht. Zusätzlich treten in den betroffenen Muskeln oft spontan Krämpfe auf.
  • Restless-Legs-Syndrom – auch bekannt als unruhige Beine. Leitsymptom ist eine quälende Unruhe in den Beinen, manchmal treten aber auch Kribbeln oder Schmerzen auf. Betroffene müssen nachts oft aufstehen und umhergehen, weil Liegen unerträglich erscheint. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Neurologen vermuten aber eine Fehlfunktion des Nervenstoffwechsels.

Die meisten dieser Erkrankungen betreffen die Muskeln oder die Nerven. Wichtig ist, dass Sie im Zweifel solche Ursachen von Ihrem Arzt ausschließen lassen, denn manchmal können die Symptome schwer von Muskelkrämpfen zu unterscheiden sein.

Quellen:
1 Lindemuth R. et al.: S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf. 2017. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie
2 Tobolski: Nächtliche Wadenkrämpfe – Therapieoptionen. In: Der Allgemeinarzt 12/2016
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